Erst sicher Roller fahren, dann radeln
Die Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein startete heute in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit Unterstützung der AOK NORDWESTdie landesweite Präventionsoffensive „Erst sicher Roller fahren, dann radeln“. Mit einer gezielten Verkehrserziehung sollen jährlich mindestens 5.000 Kinder mit einem Tretroller spielerisch auf das Fahrradfahren vorbereitet werden. „Damit wollen wir die Unfallzahlen von Kindern im Straßenverkehr deutlich senken“, sagt Lothar Lamb, Ehrenpräsident der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein (LVW).
Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als 30.000 Kinder unter 15 Jahren verunglücken jährlich auf deutschen Straßen, in Schleswig-Holstein waren es allein im vergangenen Jahr 1.219. „Auch wenn die Zahl der Kinderunfälle in den letzten Jahren stetig gesenkt werden konnte, darf dies kein Grund sein, die Unfallprävention zu vernachlässigen“, so Dr. Dieter Paffrath, Vorstand der AOK NORDWEST, die die landesweite Aktion unterstützt.
Besonders auffällig ist, dass bei fast der Hälfte aller 1.219 Kinderunfälle im Land die „Lütten“ mit einem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs waren. „Viele Kinder werden von ihren Eltern zu früh auf ein Fahrrad gesetzt, ohne dass die motorischen Fähigkeiten dafür bereits ausgebildet sind“, erklärte Dr. Paffrath. Denn frühestens im Alter von acht Jahren sind Kinder zunehmend in der Lage, Gefahren im Straßenverkehr vorausschauend zu erkennen.
Bis ein „vorbeugendes Gefahrenbewusstsein“ ganz entwickelt und eine relativ sichere Teilnahme mit dem Fahrrad am Straßenverkehr möglich ist, haben die Kinder in den meisten Fällen bereits das zehnte Lebensjahr erreicht. „Bis dahin müssen wir die Kompetenzen der Kinder spielerisch stärken und sollten damit bereits im Kindergartenalter anfangen. Ideal ist der gute alte Tretroller, mit dem die Kinder vor allem koordinierende Fähigkeiten und das Gleichgewicht schulen, was später für das Radfahren sehr wichtig ist“, so AOK-Vorstand Dr. Paffrath.
Für Lothar Lamb von der Landesverkehrswacht liegen die Vorteile des Rollerfahrens auf der Hand: „Es fordert alle Sinne, trainiert motorische Fähigkeiten, koordiniert Bewegung und Gleichgewicht und vermittelt ein Gefühl für Beschleunigung und Geschwindigkeit. Der Roller eignet sich ideal für Übungen wie Kurven fahren und sich Umschauen beim Fahren. Und außerdem macht es den Kindern noch großen Spaß.“
Das bestätigt auch Janine Eberhardt-Knappich. Sie ist eine von insgesamt elf ehrenamtlichen Moderatorinnen der Landesverkehrswacht. Sie führt die Verkehrserziehung im „Schonraum“ Kindergarten durch. „Im Dialog mit den Einrichtungen beschreiben wir die entwicklungsbedingten Verhaltensweisen von Kindergartenkindern im Straßenverkehr. Dazu vermitteln wir eine situations- und altersgerechte Verkehrserziehung“, so Janine Eberhardt-Knappich. Dabei lernen die Kinder in einem Rollerparcours ihre eigenen Fähigkeiten kennen und erhalten als Lob, Anerkennung und Motivation eine Teilnahmeurkunde und bei Erfolg auch den Rollerführerschein“, so Eberhardt-Knappich.
Heilpädagogin Silke Breitenstein als Leiterin der Kindertagesstätte Flintbek ist überzeugt von dem Projekt. „Wir haben uns mit 80 Kindern daran erfolgreich beteiligt. Die Rückmeldungen der Kinder und auch der Eltern waren durchweg positiv. So macht Verkehrserziehung für alle Beteiligten großen Spaß.“
In jeder AOK-Servicestelle in Schleswig-Holstein den kostenlosen Flyer „Vom Rollern zum Radeln“. Er steht ebenfalls als download zur Verfügung.
Hintergrund:
Das Projekt „Erst sicher Roller fahren, dann radeln“ ist Teil des bundesweiten Programms der Deutschen Verkehrswacht e. V. „Kinder im Straßenverkehr“, kurz KiS genannt. Dabei beraten ehrenamtliche Moderatorinnen in Kindergärten Erzieherinnen und Erzieher über neue verkehrspädagogische Ansätze und Methoden und unterstützen sie bei der Durchführung von Aktionen.